Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven - Seltene Luftaufnahmen des Bauhafens nach dem Zweiten Weltkrieg

Datum: 22. Februar 2022
Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven - Seltene Luftaufnahmen des Bauhafens nach dem Zweiten Weltkrieg

Obgleich Wilhelmshaven nicht explizit in den überlieferten Einsatzplänen der „Trolley Mission“ erwähnt wurde, darf nicht ausgeschlossen werden, dass aufgrund der geographischen Nähe zu den Städten Bremen und Hamburg sowie Oldenburg, welche wiederum explizit als Flugrouten der „Trolley Mission“ (Nordroute) genannt wurden, einige Piloten, die zuvor Kampfeinsätze und Luftangriffe auf Wilhelmshaven flogen, nun auch im Mai 1945 erneut über Wilhelmshaven geflogen sind. So konnten fünf Luftaufnahmen recherchiert werden, die insbesondere die Marinewerft im Bauhafen nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg zeigen.

In diesem ausführlichen Artikel werden zunächst fünf äußerst seltene, historische Luftaufnahmen des Bauhafens dargestellt. Um uns diese Bilder besser zu vergegenwärtigen, wurden sie von Markus Lenz künstlich nachkoloriert. Anschließend folgt ein Auszug aus dem sogenannten „Bomber’s Baedeker“ in englischer Sprache; darin sind strategische Informationen der Royal Air Force enthalten, welche Ziele in Wilhelmshaven aus der Luft anzugreifen sind. Schließlich werden noch zwei Kartenausschnitte dargeboten, welche die imposanten Hafenanlagen in Wilhelmshaven im Jahre 1905 sowie im Jahre 1944 beschreiben. Zum Schluß werden noch einige Informationen ergänzt, dass die Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven nach dem Zweiten Weltkrieg fast vollkommen demontiert und zerstört worden ist.

Luftaufnahmen

Die erste Luftaufnahme zeigt die Nordseite des Bauhafens und das Dock Nr. 6, in welchem ein zur Seite gekipptes Kriegsschiff versunken ist. Markant ist im Hintergrund die Katholische Marine-Garnisonkirche Sankt Petrus zu erkennen, die im Jahre 1901 eingeweiht wurde. Während deren Hauptschiff im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, blieb der Glockenturm verschont. Dennoch wurde der Kirchturm im Jahre 1955 gesprengt. An der Ostseite des Bauhafens liegt ein gekentertes Kriegsschiff vor Anker. Etwas weiter im Hintergrund, etwa in der Mitte zwischen Kaimauer und Jachmannstraße ist ein Hochbunker auszumachen.

Die erste Luftaufnahme zeigt die Nordseite des Bauhafens und das Dock Nr. 6, in welchem ein zur Seite gekipptes Kriegsschiff versunken ist.

Markant ist im Hintergrund die Katholische Marine-Garnisonkirche Sankt Petrus zu erkennen, die im Jahre 1901 eingeweiht wurde.

Bildcode: 392BG124

Das zweite Luftbild zeigt die Marinewerft im Bauhafen und zwar von Norden nach Süden. Im Vordergrund sind die drei Docks an der Nordseite v.l.n.r. Dock Nr. 6, Dock Nr. 5 und Dock Nr. 4 zu sehen. Im Hintergrund sind auf der rechten Bildhälfte zunächst die Hellinge Nr. 2 und Nr. 1 zu sehen, danach folgen Trockendocks Nr. 3, Nr. 2 und Nr. 1. Auf der hinteren, rechten Bildhälfte erstreckt sich die südliche Kaimauer des Bauhafens, wo zahlreiche Werkstätten angesiedelt waren. Ganz im Hintergrund, hinter der heutigen Ebertstraße, verlaufen der alte Kohlen-Hafen sowie der alte Liege-Hafen, die heute als „Großer Hafen“ bezeichnet werden.

Das zweite Luftbild zeigt die Marinewerft im Bauhafen und zwar von Norden nach Süden. Im Vordergrund sind die drei Docks an der Nordseite v.l.n.r. Dock Nr. 6, Dock Nr. 5 und Dock Nr. 4 zu sehen.

Im Hintergrund sind auf der rechten Bildhälfte zunächst die Hellinge Nr. 2 und Nr. 1 zu sehen, danach folgen Trockendocks Nr. 3, Nr. 2 und Nr. 1.

Bildcode: 392BG125

Die dritte Luftaufnahme zeigt den Ausrüstungshafen und die Ausrüstungswerft, wo seinerzeit der Torpedoschießstand angesiedelt war und der Hafenkanal verlief, der die Zufahrt zum Bauhafen ermöglichte. Im Hafenkanal, fast in der Bildmitte, ist die Drehbrücke (Jachmannbrücke) zu erkennen, über welche die Jachmannstraße führt. Von unten her gesehen, verläuft die Manteuffelstraße, die bis zur Drehbrücke verlief. Die Manteuffelstraße wurde später in Jachmannstraße umbenannt. Hinter dem Hafenkanal erstreckt sich vertikal die Jachmannstraße durch die Bildmitte und wird von der ehemaligen Moltke-Straße gekreuzt, wo die Deckoffiziersschule, die Große Kaserne, die Werftkaserne und Hafenkaserne stehen.

Die dritte Luftaufnahme zeigt den Ausrüstungshafen und die Ausrüstungswerft, wo seinerzeit der Torpedoschießstand angesiedelt war und der Hafenkanal verlief, der die Zufahrt zum Bauhafen ermöglichte.

Im Hafenkanal, fast in der Bildmitte, ist die Drehbrücke (Jachmannbrücke) zu erkennen, über welche die Jachmannstraße führt.

Bildcode: 392BG126

Das vierte Luftbild zeigt die Marinewerft im Bauhafen und zwar von der Westseite bis zur Ostseite, so dass im Vordergrund v.l.n.r. die Hellinge Nr. 2 und Nr. 1 sowie die Trockendocks Nr. 3, Nr. 2 und Nr. 1 zu sehen sind (Trockendock Nr. 1 ist nicht geflutet). Die Ostseite entspricht der Zufahrt zum Hafenkanal, der schließlich aus dem Bauhafen heraus unter der Drehbrücke hindurch in den Ausrüstungshafen führte. Damals befand sich vor der Ausfahrt in den Hafenkanal noch eine Pontonbrücke bzw. Schwimmbrücke, die heute nicht mehr existiert. Ganz im Hintergrund sind die beiden Schleusenkammern der dritten Hafeneinfahrt auszumachen, die heute nicht mehr existieren.

Das vierte Luftbild zeigt die Marinewerft im Bauhafen und zwar von der Westseite bis zur Ostseite, so dass im Vordergrund v.l.n.r. die Hellinge Nr. 2 und Nr. 1 sowie die Trockendocks Nr. 3, Nr. 2 und Nr. 1 zu sehen sind (Trockendock Nr. 1 ist nicht geflutet).

Die Ostseite entspricht der Zufahrt zum Hafenkanal, der schließlich aus dem Bauhafen heraus unter der Drehbrücke hindurch in den Ausrüstungshafen führte.

Bildcode: 392BG127

Die fünfte Luftaufnahme zeigt die südliche Kaimauer der Marinewerft im Bauhafen, wo damals zahlreiche Werkstätten angesiedelt waren. Die großen Werkshallen existieren heute nicht mehr, aber noch heute besteht der Häuserblock an der Straßenkreuzung Ebertstraße und Mainstraße, der in der rechten Bildmitte zu erkennen ist. Weiter im Hintergrund ist die Kaiser-Wilhelm-Brücke zu sehen, die auch heute noch den Ems-Jade-Kanal überspannt.

Die fünfte Luftaufnahme zeigt die südliche Kaimauer der Marinewerft im Bauhafen, wo damals zahlreiche Werkstätten angesiedelt waren.

Die großen Werkshallen existieren heute nicht mehr, aber noch heute besteht der Häuserblock an der Straßenkreuzung Ebertstraße und Mainstraße, der in der rechten Bildmitte zu erkennen ist.

Bildcode: 392BG128

Informationen der Royal Air Force

Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven - Strategisches Angriffsziel der Royal Air Force im Zweiten Weltkrieg - Auszug aus dem Bomber's Baedeker

Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven - Strategisches Angriffsziel der Royal Air Force im Zweiten Weltkrieg - Auszug aus dem Bomber's Baedeker

Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven - Strategisches Angriffsziel der Royal Air Force im Zweiten Weltkrieg - Auszug aus dem Bomber's Baedeker

Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven - Strategisches Angriffsziel der Royal Air Force im Zweiten Weltkrieg - Auszug aus dem Bomber's Baedeker

Quelle: The Bomber’s Baedeker
Special Report, Ministry of Economic Warfare and Successors
Enemy Branch, Economic Advisory Branch and Economic Warfare Department
2nd Edition, 1944, The National Archives, Kew, England, S. 724-726

Kartenmaterial

Das gesamte Gelände um das heutige Marinearsenal der Bundeswehr hat sich in den letzten 150 Jahren mehrmals verändert, so dass es außenstehenden Betrachtern schwer fällt, die historischen Luftaufnahmen mit heute verfügbaren digitalen Kartenwerken, beispielsweise „Google Maps“ oder „OpenStreetMap“, abzugleichen. Weitaus besser eignen sich historische Karten, wie beispielsweise ein Stadtplan von Wilhelmshaven, der fortlaufend aktualisiert in den Ausgaben des Meyers Konversations-Lexikons abgedruckt wurde. Noch viel besser eignen sich die sogenannten „Beutekarten“, die maßgeblich von der „Geographical Section“ des britischen „War Office“ auf Grundlage der erbeuteten deutschen Generalstabskarten reproduziert worden sind.

Stadtplan Wilhelmshaven 1905 - Meyers Konversations-Lexikon

Quelle: Meyers Konversations-Lexikon
Verlag Bibliographisches Institut, Berlin, 1905

Wilhelmshaven 1944 - Beutekarte, Geographical Section, War Office

Quelle: Wilhelmshaven 1944
Beutekarte, Geographical Section, British War Office
Sammlung British Library, London

Historische Entwicklung

Zum besseren Verständnis sei angemerkt, dass die Gründung Wilhelmshavens auf die Idee Preußens rekurriert, unmittelbar an der Nordsee einen Marinestützpunkt einzurichten. So entstand ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein weitläufiges Gelände, auf dem neben den militärischen Hafenanlagen auch die Stadt Wilhelmshaven selbst entstand. Die Stadtgeschichte Wilhelmshavens ist daher eng mit der Entwicklung der deutschen Marine verbunden.

Aufgrund der Gezeiten Ebbe und Flut mußte der Marienhafen als tidegeschützter Innenhafen angelegt werden, der folglich nur über verschiedene Schleusenzufahrten erreicht werden konnte. So entstanden im Laufe der Zeit drei Hafeneinfahrten. Mittlerweile gibt es zahlreiche Bücher und Aufsätze, die sehr detaillierte die Geschichte des Marinestützpunktes in Wilhelmshaven behandeln. Daher wollen wir uns auf die Zeit zum Ende des Zweiten Weltkrieges und danach beschränken, zumal im Fokus unserer Betrachtungen nicht die gesamte Hafenanlage, sondern vielmehr die Marinewerft steht.

Jene Marinewerft im Bauhafen entstand ab dem Jahre 1864 und wurde zunächst als Königliche Werft bezeichnet. Sie nahm im Jahre 1871 ihre Tätigkeit auf und wurde ein Jahr später in Kaiserliche Werft umbenannt. Der Name änderte sich im Laufe der Zeit mehrmals, beispielsweise im Jahre 1919 in Marinewerft, im Jahre 1921 in Reichswerft, im Jahre 1923 in Marinewerft Wilhelmshaven und im Jahre 1935 in Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt sie den Namen „Marinewerft Wilhelmshaven Naval Dockyard“.

Die Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven war die bedeutendste Marinewerft in der Zeit des Deutschen Reiches. Ihre Aufgabe waren Reparatur, Umbau und Wartung von Kriegsschiffen. Mit dem allmählichen Umstieg auf die Kriegswirtschaft im Dritten Reich, folgten umfangreiche Baumaßnahmen und Erweiterungen der Werftanlagen. So entstanden weiteren Docks, neue Hafenanlagen und neue Schleusen. Neben Reparatur- und Wartungsaufgaben trat ab 1939 nun auch der Bau von Kriegsschiffen, insbesondere von Unterseeboten. Darüber hinaus spezialisierte sich die Werft auf den Bau kleinerer Kriegsfahrzeuge sowie auf die Beseitigung von Gefechtsschäden an U-Booten.

Wilhelmshaven war die bedeutendste Produktionsstätte der Rüstungsindustrie schlechthin, so dass die Werft weit über einhundert Male von britischen und US-amerikanischen Luftwaffe bombardiert wurde. Dennoch blieb die Werft fortwährend in Betrieb. Erst als im Mai 1945 kanadische und polnische Streitkräfte Wilhelmshaven eroberten, wurde der Werftbetrieb auf Weisung der Besatzungsmacht vorerst eingestellt. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg mußten zunächst Reparationsleistungen durchgeführt werden. Hierzu wurde die Werft zu einem Sammelplatz von Schiffen, welche repariert werden mußten und anschließend an eine der Siegermächte auszuliefern waren. Danach folgte das, was uns heutige Vergleiche mit den historischen Bildern fast unmöglich erscheinen läßt, nämlich die umfangreiche Zerstörungen und fast vollständige Demontage.

Auf Weisung der britischen Militärregierung wurden die Werftanlagen vollkommen zerstört. Mit Ausnahme diverser Verwaltungsgebäude wurden alle größeren Gebäude abgerissen. Ebenso wurden die Docks gesprengt und mit Bauschutt und Trümmern zugeschüttet. Kasernen wurden gesprengt und abgetragen. Auch wurde ein großer Teil des Hafengeländes vollständig zerstört, indem Hafenbecken zugeschüttet wurden. Damit hatte die Werft praktisch aufgehört zu existieren. Das Werftgelände blieb bis in die 1970‘er Jahre ein riesig großes Trümmergrundstück. Das Gelände war allerdings so groß, dass Wilhelmshaven nach der Gründung der Bundeswehr im Jahre 1955 doch noch einen Marinestützpunkt erhalten konnte. Zugleich begann der Ausbau ziviler Hafenanlagen sowohl im Innenhafen als auch im Ems-Jade-Kanal. Seit dem Jahre 1957 besteht auf dem Gelände der ehemaligen Werft ein Marinearsenal für die Bundesmarine. Es entstanden zahlreiche neue Gebäude, die bis heute als Marinearsenal der Deutschen Marine genutzt werden.


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Trolley Mission

Die „Trolley Mission“ war eine damals geheime Flugmission der US-amerikanischen Luftwaffe. Im Mai 1945 sind Luftaufnahmen erstellt worden, die deutsche Städte unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg sprichwörtlich zur „Stunde Null“ zeigen.

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