Kassel 1945 - Alte Kommandantur am Friedrichsplatz

Veröffentlicht am 27. Februar 2023
Kassel 1945 - Alte Kommandantur am Friedrichsplatz

Das alte Foto von Kassel, das nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist, läßt das Gebäude der Alten Kommandantur am Friedrichsplatz erkennen. Das Gebäude entstand als herrschaftliches Wohnhaus unter der Bauherrschaft des Großkaufmannes Jacques Roux im Zeitraum von 1772 bis 1774. Im Jahr 1837 hat der kurhessische Staat das Gebäude für seine Militärverwaltung angekauft. Es diente als Dienst- und Wohnsitz des Kasseler Stadtkommandanten.

Ab dem Jahre 1866, nachdem das Kurfürstentum Hessen von Preußen im Rahmen des Deutschen Kriegs annektiert wurde, nutzten die neuen preußischen Landesherren das Gebäude in gleicher Weise, so dass der Name „Alte Kommandantur“ geprägt wurde. Während des Zweiten Weltkrieges hatte die Alte Kommandantur die verheerenden Luftangriffe der Alliierten auf Kassel nahezu unbeschadet überstanden.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bezog zunächst das Finanzamt das Gebäude; danach wurde das Haus vermietet. Im Zeitraum von 1968 bis 1970 wurde beschlossen, das Gebäude komplett abzureißen und durch einen Neubau mit leicht veränderter historischer Fassade neu zu errichten.

Ferner sind auf dem historischen Bild, das den ungefähren Blick von der Karlskirche in Richtung Friedrichsplatz umfaßt, der Turm der Lutherkirche sowie das Denkmal von Landgraf Karl auszumachen. Darüber hinaus ist sogar der verbogene Schriftzug des Kaufhofes am Opernplatz über den Dächern zu erkennen. Das Bild wurde von Herrn Winfried Wulfgramm identifiziert - vielen Dank!

Heutige Ansicht

Kassel im Zweiten Weltkrieg - Alte Kommandantur am Friedrichsplatz

Quelle: Google Maps

Nachkoloriertes Foto

Alte Kommandantur am Friedrichsplatz

Bildcode: 392BG153


Inwiefern normale Bilder im Zusammenhang mit der „Trolley Mission“ stehen, ist von Markus Lenz noch nicht erschöpfend erforscht worden. Zumindest sind Aufnahmen, die vom Boden aus gemacht worden sind, eher ungewöhnlich, denn die „Trolley Mission“ zeichnete sich vornehmlich durch Luftaufnahmen aus. Dennoch ist in den Biographien und Berichten der 392. Bomb Group Memorial Association zu lesen, dass es auch sogenannte „Cook‘s Tours“ gab, also spezielle Besuche zerstörter deutscher Städte zu Fuß.

Der Name „Cook‘s Tours“ leitet sich vom britischen Tourismus-Pionier Thomas Cook und seinem gleichnamigen Reiseunternehmen ab. So wurden die Besuche zerstörter deutscher Städte - in Analogie zu den bekannten Tourismusangeboten - als eine Art Sightseeing, also Besichtigung bzw. Städtetour, aufgefaßt. Aus den Zeitzeugenberichten der 392. Bomb Group Memorial Association geht hervor, dass am 9. Mai 1945 angekündigt wurde, dass für besonders herausragende Piloten und Truppen des Bodenpersonals, die durch ihre Leistungen im Kampfeinsatz oder durch besondere Pflichterfüllung mit dem Orden „Legion of Merit“ oder der Medaille „Bronze Star Medal“ ausgezeichnet wurden, eine Besichtigungsreise bombardierter Gebiete in Deutschland geplant sei.

Hierfür wurden am 10. Mai 1945 Flugzeuge mit einer Mindestbesatzung von fünf Mann bereitgestellt, um knapp zehn Passagiere von England aus ins Deutsche Reich zu fliegen. Zielflughafen war der Fliegerhorst Venlo-Herongen, der als Airfield Y-55 bezeichnet wurde. Von Venlo aus wurden die Passagiere mit Autos nach Duisburg gebracht, wo sie sich in aller Ruhe umsehen und zu Mittag essen konnten. Bemerkenswert ist die Aussage, dass jeder einen Stahlhelm, einen Karabiner oder ein Gewehr sowie Offiziere eine Pistole mitzuführen hatten. Zu den damaligen Soldaten und späteren Veteranen der 392. Bomb Group, die Duisburg besuchten, gehörten der Obergefreite Pete G. Kotsifakis, Feldwebel George Pearson und Leutnant Joseph E. Micksch.

So sind sehr viele private Fotos gemacht worden, die nach 1945 zunächst im Familienbesitz waren und später von den Hinterbliebenen an das Archiv der 392. Bomb Group Memorial Association gespendet wurden. Dort lagern seit mehr als 50 Jahren viele unbekannte, nicht beschriftete Bilder von Aachen, Duisburg, Köln und Kassel sowie von anderen deutschen Städten. Ob und wie und wann von Venlo oder Duisburg aus, auch die Stadt Kassel besucht wurde, ist leider nicht mit dem Konvolut der Kasseler Fotos überliefert worden.

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Trolley Mission

Die „Trolley Mission“ war eine damals geheime Flugmission der US-amerikanischen Luftwaffe. Im Mai 1945 sind Luftaufnahmen erstellt worden, die deutsche Städte unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg sprichwörtlich zur „Stunde Null“ zeigen.

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