Zum Stand der Forschung der „Trolley Mission“

Datum: 4. Juni 2021
Zum Stand der Forschung der „Trolley Mission“

Im Herbst 2014 wurde von Markus Lenz die erste Auflage seiner Forschungsarbeiten über die „Trolley Mission“ veröffentlicht. Das Buch ist in deutscher Sprache unter dem Titel „Die Trolley Mission der US-amerikanischen Luftwaffe vom 7. bis zum 12. Mai 1945. Historische und bislang unveröffentlichte Luftbilder deutscher Städte und Industriebauten im Zweiten Weltkrieg“ unter der ISBN 978-1-5032-8573-6 erschienen und zugleich in englischer Sprache unter dem Titel „The Trolley Mission 1945 - Germany, 24 Hours After World War II“ unter der ISBN 978-1-3109-7603-2 aufgelegt worden. Zwei Jahre später folgten diverse Artikel und sogenannte „Booklets“ (Taschenbücher), die schwerpunktmäßig neu recherchierte Luftaufnahmen beinhalten.

Im Frühjahr 2021 erhielt Markus Lenz von der „Air Force Historical Research Agency“, die an der Maxwell Air Force Base bei Montgomery im US-Bundesstaat Alabama angesiedelt ist, knapp 8.000 Einzelseiten auf Mikrofilm, in denen alle Einsatzbefehle, Flugbewegungen und Faksimile von militärischen Beobachtungen von April 1945 bis Juni 1945 erfaßt sind. Diese Unterlagen der 8. US-Luftflotte wurden erst kürzlich freigegeben und enthalten ein unerschöpfliches Potential an Informationen.

Nach Umwandlung der ersten Berichte von Mikrofilm auf lesbare Computerdateien heißt es in der „Headquartes Eighth Air Force Narrative History“, dass explizit am 29. April 1945 der Befehl für sogenannte „Observation Flights“ erteilt wurde: „On 29 April, subordinate commands were informed of plans to transport all Eighth Air Force ground personnel on non-stop observation flights over Germany to view targets which had been bombed. Subsequently referred to as TROLLEY, this program was designed to give ground personnel an opportunity to view the results of their labors and thereby gain a better appreciation of the part which the Eighth Air Force had played in winning the war.“

Der erste Flug der „Trolley Mission“ fand am 30. April 1945 statt! Danach folgten täglich „Rundflüge über Deutschland“ bis zum 14. Mai 1945. Nach einer Pause - aus bislang noch unbekannten Gründen - wurde die „Trolley Mission“ ab dem 22. Mai 1945 bis zum 2. Juni 1945 fortgesetzt.

Die nachstehenden Originaldokumente zeigen auf, dass die Erforschung der „Trolley Mission“ bislang noch kein Ende gefunden hat. Ebenso läßt der erste Flugplan vom 30. April 1945 erkennen, dass damals aufgrund der Kampfhandlungen und insbesondere wegen der noch aktiven Flak-Stellungen andere Flugrouten abgeflogen wurden. Es bleibt spannend, welche neuen Erkenntnisse die knapp 8.000 Einzelseiten auf Mikrofilm noch zum Vorschein bringen werden.

Headquartes Eighth Air Force Narrative History

Quelle: Headquartes Eighth Air Force Narrative History

Der erste Flugplan vom 30. April 1945 verdeutlicht zudem, dass gleich mehrere Flugzeuge auf unterschiedlichen Flugrouten unterwegs waren. Für Außenstehende ist insbesondere die Zeitangabe eine wichtige Information, denn so kann man erahnen, wie lange etwa diese Non-Stop-Rundflüge gedauert haben. Gleich am ersten Tag war ein B-17-Bomber der 379. Bomb Group über Düsseldorf und Mannheim unterwegs. Vier B-17-Bomber der 379. Bomb Group flogen über Gladbeck, Düsseldorf, Dortmund, Köln, Koblenz, Frankfurt am Main, Mannheim und Karlsruhe. Gleich 28 Flugzeuge der 303. Bomb Group waren von 9.00 Uhr morgens bis 18.00 Uhr abends über Mannheim, Aschaffenburg, Hanau, Bingen, Köln und Hamm unterwegs. Den letzten Flug absolvierte schließlich ein weiterer B-17-Bomber der 303. Bomb Group in nur 2.000 Fuß Höhe über Pforzheim, Mannheim, Frankfurt am Main, Koblenz, Köln, Hamm, Duisburg und Düren.

Flugplan der Trolley Mission am 30. April 1945

Quelle: Flight Schedule, 1st Air Division, 30. April 1945


Trolley Mission

Die „Trolley Mission“ war eine damals geheime Flugmission der US-amerikanischen Luftwaffe. Im Mai 1945 sind Luftaufnahmen erstellt worden, die deutsche Städte unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg sprichwörtlich zur „Stunde Null“ zeigen.

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