Rekonstruktion der Flugrouten der „Trolley Mission“ auf Basis historischer Luftfahrtkarten aus dem britischen War Office (Royal Air Force)

Datum: 17. Februar 2020
Rekonstruktion der Flugrouten der „Trolley Mission“ auf Basis historischer Luftfahrtkarten aus dem britischen War Office (Royal Air Force)

Ganz oben im Menü dieser Internetseite werden grundlegende Informationen über die beiden Flugrouten der „Trolley Mission“ skizziert. Vermutlich aufgrund der Flugwetterlage im Mai 1945 wurde zwischen der Nordroute („Northern Flight Route“) und der Südroute („Southern Flight Route“) unterschieden. Vom 7. bis zum 10. Mai 1945 wurde die Südroute als Flugstrecke gewählt, während am 11. und am 12. Mai 1945 die Nordroute abgeflogen wurde.

Im Februar 2020 hat Markus Lenz (vgl. ausführlich www.markus-lenz.de) eine Rekonstruktion der beiden Flugstrecken vorgenommen und die Flugrouten in historische Luftfahrtkarten eingetragen. Die Verwendung echter Luftfahrtkarten der damaligen Zeit im Maßstab 1:500.000 wirkt wesentlich authentischer als das Kartographieren in eine digitale „Google Maps Karte“. Als Basis für die Nordroute dienten die Luftfahrtkarten („Aeronautical Maps“) der Kartenserie G.S.G.S. Nr. 4369 sowie G.S.G.S. Nr. 4072 (Geographical Section, General Staff) aus dem britischen War Office (Royal Air Force). Für die Rekonstruktion der Nordroute wurden die vier Blätter „North Sea“ (5. Ausgabe, 1944), „Frankfurt“ (2. Ausgabe, 1942), „Bremen“ (2. Ausgabe, 1943) und „Berlin“ (3. Ausgabe, 1943) verwendet.

Ein weiterer - sogar ein überwiegender - Vorteil bei der Verwendung echter Luftfahrtkarten liegt darin, dass seinerzeit alle der Royal Air Force bekannten Flugfelder, Flugplätze, Flughäfen und Fliegerhorste der deutschen Luftwaffe in den Karten eingezeichnet waren. Gleiches gilt für die militärischen Flugplätze, die in Großbritannien angelegt wurden und heute nicht mehr existieren. Jedenfalls können nachstehend jene originalen Luftfahrtkarten kostenlos geöffnet und im Detail angeschaut werden. Die Navigation innerhalb der Luftfahrten erfolgt entweder über die Symbole, die oben links eingeblendet werden, worüber eine Vergrößerung, Verkleinerung, Normalansicht und eine Vollbildansicht möglich sind, oder über die übliche Mausnavigation - ähnlich wie bei „Google Maps“. Die Navigation sollte auch via Fingergesten auf Tablet PC und Smartphone einwandfrei funktionieren.

1) Blatt „North Sea“
Jeder Flug der „Trolley Mission“ fand als Nonstop-Flug statt. So erstreckte sich die Nordroute von der Luftwaffenbasis „Wendling Airfield“ zunächst zur ca. 60 km entfernt liegenden Stadt Great Yarmouth an der britischen Kanalküste, da sich dort die letzte Möglichkeit für eine etwaige Notlandung vor der Kanalüberquerung befand. Die Kanalüberquerung, die von Great Yarmouth bis Katwijk ann Zee verlief, umfaßte schließlich eine Distanz von knapp 180 km bzw. rund 100 NM. Als ersten Ort auf der Nordroute peilten die Piloten zunächst die Städte Leiden und Utrecht sowie Arnheim in den Niederlanden an.
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2) Blatt „Frankfurt“
Nach Überquerung des Rheins erstreckte sich die Flugroute der „Trolley Mission“ weiter bis Münster in Westfalen, danach über Osnabrück und weiter bis Bremen.
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3) Blatt „Bremen“
Zwischen Osnabrück und Bremen diente der Dümmer, ein See knapp zehn Kilometer südlich von Diepholz gelegen, als nächster Orientierungspunkt im Rahmen des Sichtfluges. In Bremen wurden die mehrfach bombardierten und zerstörten Hafenanlagen überflogen. Danach ging es mit nordöstlichem Steuerkurs nach Hamburg, wo ebenfalls die Hafenanlagen überflogen wurden.
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4) Blatt „Berlin“
Weil Hamburg den nördlichsten Punkt dieser Flugroute markierte, schloß sich eine rund 150 km lange Flugstrecke über den Fliegerhorst Faßberg bis nach Braunschweig an. Von Braunschweig aus steuerten die Piloten der „Trolley Mission“ das südlich gelegene Salzgitter an, um dort im Ortsteil Drütte den Stichkanal zu überfliegen, wo seinerzeit die Hermann Göring Reichswerke AG für Erzbergbau und Eisenhütten angesiedelt waren.
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5) Blatt „Bremen“
Wiederum auf dem Blatt „Bremen“ ist der weitere Verlauf der Flugroute von Salzgitter aus, teilweise am Mittelkanal entlang fliegend, nach Hannover eingezeichnet. Von Hannover flogen die Piloten der „Trolley Mission“ mit einem südwestlichen Steuerkurs über den Schildescher Viadukt bis Bielefeld.
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6) Blatt „Frankfurt“
Das Blatt „Frankfurt“ zeigt zugleich auch den Rückflug von Bielefeld über den Fliegerhorst Gütersloh und Hamm. Von dort aus führte der weitere Verlauf der „Trolley Mission“ mitten ins Ruhrgebiet. Nachdem Bergkamen erreicht war, folgten Dortmund, Bochum, Gelsenkirchen, Essen sowie Duisburg, wo die Thyssen-Krupp-Werke zwischen den Stadtgebieten Alt-Hamborn und Marxloh überflogen wurden.
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7) Blatt „North Sea“
Schließlich ist auf dem Blatt „North Sea“ auch den Rückflug eingezeichnet. Von Duisburg kommend, das den südlichsten Punkt der „Trolley Mission“ markierte, folgten die Piloten zunächst dem Flußverlauf der Ruhr, später dem der Maas und nahmen Kurs auf Den Haag, von wo aus der Rückflug über den Ärmelkanal zurück zur Luftwaffenbasis „Wendling Airfield“ stattfand.
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Anmerkung: Die Rekonstruktion der Südroute wird in den nächsten Tagen vervollständigt und auf dieser Seite nachgereicht. Die Rekonstruktion der Südroute wird in den nächsten Tagen vervollständigt und auf dieser Seite nachgereicht. Voraussichtlich werden für die Rekonstruktion sogenannte „Beutekarten“ verwendet, also Luftfahrtkarten, die von den Alliierten bei der Eroberung deutscher Kommandanturen beschlagnahmt wurden. Diese Karten beinhalten nämlich den exakten Stand der militärischen sowie zivilen Flugplätze auf dem ehemaligen deutschen Reichsgebiet im Jahre 1945.



Trolley Mission

Die „Trolley Mission“ war eine Flugmission der US-amerikanischen Luftwaffe im Mai 1945, die auch als „Low Level Tour“, als „Low Level Mission“ oder als „Cook‘s Tour“ bezeichnet wurde. Seinerzeit sind Luftbilder erstellt worden, die deutsche Städte nach dem Zweiten Weltkrieg sprichwörtlich zur „Stunde Null“ zeigen.