Drohnenpiloten

Die Luftaufnahmen der „Trolley Mission“ lösen beim Betrachter gänzlich unterschiedliche Emotionen aus: Ältere Internetseitenbesucher, die sogenannte „Nachkriegsgeneration“, kann sich vermutlich mit Angst und Schrecken an die Zustände im Mai 1945 erinnern. Jüngere Internetseitenbesucher werden hoffentlich dazu ermahnt, zu verstehen, wie sinnlos Kriege im 20. Jahrhundert waren und im 21. Jahrhundert sein werden.

Sowohl bei den jüngeren als auch bei den älteren Betrachtern stoßen die Luftbilder der „Trolley Mission“ insbesondere dann auf Interesse, wenn die historischen Aufnahmen aktuellen Fotos gegenübergestellt werden. Gerade der Vergleich von „Damals“ und „Heute“ zeigt uns auf, wie sehr sich Gebäude, Straßen, Landschaften und ganze Stadtteile im Laufe von 75 Jahren verändert haben. Aus diesem Grund sind bei einigen Luftbildern aktuelle Ansichten (Satellitenbilder) aus den Programmen „Google Earth“ und „Google Maps“ hinzugefügt worden, die allerdings auf künstlich berechneten, dreidimensionalen Perspektiven basieren. Die Programme „Google Earth“ bzw. „Google Maps“ liefern leider keine echten Luftbilder; immerhin dienen jene Perspektiven aber als wertvolle Unterstützung, um bislang unbekannte Städte und Regionen auf den Luftbildern überhaupt identifizieren zu können.

 

Beispiel: Autobahnbrücke in Köln-Rodenkirchen

Autobahnbrücke in Köln-Rodenkirchen - Luftbild der Trolley Mission 1945

Quelle: Luftbild der Trolley Mission 1945

 

Autobahnbrücke in Köln-Rodenkirchen - Google Earth 2015

Quelle: Google Earth 2015

 

Ein Aufruf an Drohnenpiloten

Jene Bildvergleiche von „Damals“ und „Heute“ stellen jedoch eine kostbare und historisch wertvolle Ergänzung im Umgang mit den Luftaufnahmen der „Trolley Mission“ dar. Daher soll dieser Text ein Aufruf an alle Drohnenpiloten sein, ehrenamtlich am Aufbau eines Bildarchives für Luftbildvergleiche mitzuwirken. Geplant ist, zu jeder historischen Originalaufnahme der „Trolley Mission“ ein aktuelles Luftbild von einer Foto- bzw. Videodrohne auf dieser Internetseite hinzuzufügen, um damit einen Luftbildvergleich von 1945 („Damals“) und 2020 („Heute“) zu realisieren.

Markus Lenz, der die historischen Luftaufnahmen der „Trolley Mission“ weltweit recherchiert, gesammelt und analysiert hat, ist selbst Privatpilot. Schon oft hat er den Versuch unternommen, Luftbilder aus dem Flugzeug zu erstellen, um damit die Aufnahmesituation aus dem Mai 1945 zu rekonstruieren. Allerdings ist es aufgrund der Luftverkehrs-Ordnung nicht möglich, so tief zu fliegen, wie es einst die US Air Force gemacht hat. Trotz Einsatz massiver Teleobjektive und Nachbearbeitung mit „Photoshop“ ist es nicht möglich, die gleiche Luftbildaufnahme in exakten Dimensionen zu wiederholen. Einzig der Einsatz einer in der Luft stehenden Foto-Drohne kann die Aufnahmesituation aus dem Mai 1945 annähernd darstellen.

 

Das Problem der Sicherheitsmindesthöhe

Problematisch ist, dass Luftaufnahmen aus dem Motorflugzeug beispielsweise über der Heimatstadt von Markus Lenz, Frankfurt am Main, gänzlich unmöglich sind, da für den kontrollierten Luftraum C („Charlie“) die Einfluggenehmigung durch die Flugsicherung am Kontrollturm Frankfurt am Main grundsätzlich untersagt wird bzw. das Regierungspräsidium Darmstadt keine Ausnahmegenehmigung für das Befliegen des Stadtgebietes von Frankfurt am Main erteilt.

Auch die „Covid-19-Krise“, die bekanntlich den Luftverkehr massiv eingeschränkt hat und dazu hätte veranlassen können, doch über die Stadt Frankfurt am Main zu fliegen, hätte schlußendlich zu keinen brauchbaren Luftbildvergleichen geführt, denn gemäß Luftverkehrs-Ordnung beträgt die Sicherheitsmindesthöhe von Flugzeugen über Städten, anderen dichtbesiedelten Gebieten, Industrieanlagen oder Menschenansammlungen mindestens 300 Meter (1.000 Fuß) über dem höchsten Hindernis in einem Umkreis von 600 Metern. Hätten also die Luftbilder der „Trolley Mission“ in der Rubrik „Frankfurt am Main“ nachgestellt werden sollen, wäre das höchste Hindernis in einem Umkreis von 600 Metern entweder der „Commerzbank-Tower“ mit einer Höhe von 300 Metern, der Frankfurter Fernsehturm mit einer Höhe von 337,5 Metern oder der Nordturm der Europäischen Zentralbank mit einer Höhe von 201 Metern gewesen. Folglich hätte die Sicherheitsmindesthöhe eines echten Luftfahrzeuges je nach Stadtgebiet 600 Meter (300 Meter + 300 Meter) über dem „Commerzbank-Tower“ bzw. 637,5 Meter (337,5 Meter + 300 Meter) über dem Frankfurter Fernsehturm oder 501 Meter (201 Meter + 300 Meter) über dem Nordturm der Europäischen Zentralbank betragen müssen.

Alles das sind Flughöhen, in denen eine Rekonstruktion der historischen Luftbilder definitiv nicht möglich wäre. Am Beispiel des Luftbildes der „Deutschherrnbrücke“ ist relativ gut abzuschätzen, dass die damalige Flughöhe der US Air Force gerade einmal etwa 50 bis 70 Meter betragen hatte.

 

Beispiel: Deutschherrnbrücke Frankfurt am Main

Deutschherrnbrücke Luftbild Frankfurt am Main im Zweiten Weltkrieg

Quelle: Luftbild der Trolley Mission 1945

 

Und selbst wenn das Regierungspräsidium Darmstadt eine Erlaubnis zur Unterschreitung der Sicherheitsmindesthöhe zur Durchführung von Fotoflügen erlaubt hätte, wäre das Risiko fatal, aus nur 50 Metern Flughöhe einen geeigneten Notlandeplatz bei einem Motorausfall oder bei technischen Problemen am Flugzeug anzusteuern. Letztlich hilft also nur eine Drohne bzw. eine Kameradrohne, um die Aufnahmesituation im Jahre 1945 zu rekonstruieren, zumal sie gemäß Luftverkehrs-Ordnung auch im kontrollierten Luftraum - wie er in Frankfurt am Main vorliegt - fliegen darf, wenn die Flughöhe 50 Meter über Grund nicht übersteigt. Verantwortungsbewußte Drohnenpiloten wissen natürlich um die Kennzeichnungspflicht, den Kenntnisnachweis sowie die Erlaubnispflicht, wie es in der Drohnen-Verordnung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur dargelegt ist (vgl. https://www.bmvi.de/drohnen).

 

Merkblatt Drohnen-Verordnung

Quelle: Drohnen-Verordnung, Ausschnitt, Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur

 

Beim Bildvergleich „Damals“ und „Heute“ als Drohnenpilot mitmachen

Jeder Drohnenpilot kann an diesem Projekt mitwirken und seine Drohnenbilder zur Veröffentlichung auf der Internetseite www.trolley-mission.de einreichen. Das Mitwirken erfolgt grundsätzlich ehrenamtlich: Alles, was zählt, ist die modellfliegerische Herausforderung, die Aufnahmesituation der historischen Luftbilder der „Trolley Mission“ so gut wie möglich zu rekonstruieren.

Die Veröffentlichung erfolgt unentgeltlich, wobei selbstverständlich der Name des Drohnenpiloten bzw. des Bildurhebers - gerne auch auf Wunsch mit E-Mail-Adresse und Internetseite - abgedruckt werden kann. Drohnenbilder sollten mindestens eine Auflösung von 2.000 x 1.500 Pixel haben, besser noch 4.000 x 3.000 Pixel. Alle historischen Luftbilder der „Trolley Mission“ sind in der Regel mit einer Bildbreite von 2.000 Pixeln auf dieser Internetseite gespeichert und können via Rechtsmausklick gespeichert werden. Zwar sind die Bilder mit einem Wasserzeichen geschützt, das sollte jedoch nicht die Orientierung bei der Rekonstruktion der Aufnahmesituation mit einer Drohne einschränken.

 

Schrittweise Vorgehensweise

1. Wenn Sie Ihre Drohnenbilder einreichen möchten, nehmen Sie bitte zuerst Kontakt mit Markus Lenz auf (vgl. Kontaktinformationen).

2. Laden Sie sich die mit einem Wasserzeichen geschützten Luftbilder herunter und nutzen Sie diese als Vorbild für Ihre Kameradrohnenflüge.

3. Im Vergleich zum Originalbild erstellen Sie bitte ein Drohnenbild mit einem etwa 25% größeren Bildausschnitt.

4. Reichen Sie Ihre Drohnenbilder entweder unbearbeitet oder bearbeitet einzeln via E-Mail ein.

5. Schreiben Sie in Ihrer E-Mail-Nachricht bitte eine Genehmigung, dass Markus Lenz Ihre Drohnenbilder kostenlos, lizenzfrei und unentgeltlich bearbeiten, speichern und veröffentlichen darf.

6. Fügen Sie Ihrer E-Mail-Nachricht bitte Ihre vollständige Anschrift und Adresse bei (diese wird nicht veröffentlicht, sondern dient für Rückfragen).

7. Ergänzen Sie in Ihrer E-Mail-Nachricht bitte alle Anmerkungen, die bei der Veröffentlichung auf der Internetseite der „Trolley Mission“ nach Ihren Wünschen eingefügt werden sollen, beispielsweise Name, E-Mail, Internetseite, Drohnenmodell, Aufnahmedatum, etc.

8. Jeder Drohnenpilot kann an diesem Projekt mitwirken, d.h. sowohl Privatpersonen als auch gewerbliche Drohnenpiloten. Jedes Ihrer Drohnenbilder kann und soll selbstverständlich auch mit einem Verweis auf Ihr Unternehmen/Gewerbe verknüpft werden.

9. Berücksichtigen Sie bitte, dass es sich bei der „Trolley Mission“ und seiner Auswertung um ein Forschungsprojekt handelt, das keinerlei finanzielle Unterstützung erfährt, sondern rein aus historischem Interesse entstanden ist. Es gibt keine Sponsoren und keine Forschungsgelder für dieses Projekt.



Trolley Mission

Die „Trolley Mission“ war eine Flugmission der US-amerikanischen Luftwaffe im Mai 1945, die auch als „Low Level Tour“, als „Low Level Mission“ oder als „Cook‘s Tour“ bezeichnet wurde. Seinerzeit sind Luftbilder erstellt worden, die deutsche Städte nach dem Zweiten Weltkrieg sprichwörtlich zur „Stunde Null“ zeigen.